470 Jahre Geschichte - die alte Pastorei in Wüppels

Die alte Pastorei in Wüppels war mir früher nicht aufgefallen. Sie war ein altes Haus wie viele andere alte Bauernhäuser hier: Ein bißchen windschief und renovierungsbedürftig. Aber sie war doch interessanter als andere Häuser: Es gab dort Eis aus einer Truhe im Flur und eine alte Dame, Frau Albers, die letzte Bewohnerin, war immer sehr bemüht um ihre Kunden. Zwischenzeitlich war ihr schon die Scheune abhanden gekommen, aber das Wohnhaus stand noch. Noch. All die Jahre konnte sie am Haus nichts machen, es blieb, wie es war.
Auch nach ihrem Tod ging der Verfall weiter, bis 1976 Doc Schmalhaus sich von alten und Neu-Wüppelsern überreden ließ, die mittlerweile zur Ruine verkommene Pastorei zu kaufen und über Jahrzehnte instandzusetzen. Was für ein Glück. Es hat wohl niemand so recht geglaubt, dass das gelingen würde und dabei die Seele des Hauses erhalten werden könnte. Aber er hat, weiter denkend als viele seiner Generation, die alten Dinge eben nicht entfernt oder durch „zweckmäßige“ Bauelemente ersetzt. Alte Fenster sind alte Fenster geblieben, schief, mit Blasenglas und Winkelbeschlägen, alle alten Utensilien wie Pumpe, Spülstein, Kachelofen, Steinplatten sind noch im Urzustand da. Die Türen in Pitchpineholz: Ressourcensparendes, nachhaltiges Bauen für mehrere Jahrhunderte (!), ebenso die Pitchpinedielen. Alles noch da.

Das Haus stand zum Verkauf und gerade weil noch fast alle alten stilbildenden Elemente einschließlich des Wappens im Westgiebel vom Grafen Anton von Oldenburg und seiner Frau Elisabeth von 1602 unverändert waren, haben wir es übernommen. Und es mit drei Generationen der Familie Ahmels und dem Bauunternehmen Eilers behutsam gemeinsam mit der Denkmalbehörde restauriert.

Als steinernder Zeuge kann es so jahrhundertealte Baukulturgeschichte weiter bewahren. Einer Geschichte, die irgendwann im 16. Jahrhundert begann, zwischendurch einen Brand erlitt und mit Steinen eines Hauses, das in den Fluten der Nordsee versunken war, wieder aufgebaut wurde und etliche Generationen von evangelischen Pfarrern beherbergte. Jetzt wohnt dort wieder eine ältere Dame, Renate Ahmels, aber sie verkauft kein Eis mehr. Schade eigentlich.

Dr. Peter Ahmels

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