7 Wochen Ohne begleitet uns durch die Fastenzeit.

Liebe Gemeinde,

 

hier werden wir die nächsten Wochen Texte zur Fastenzeit anzeigen. Dies tun wir mit freundlicher Genehmigung von:

Herausgeber und Verlag
Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH
Emil-von-Behring-Straße 3
60439 Frankfurt am Main

 
Vielen Dank dafür an den Verlag.

Fastenmail: Woche 2 „Von der Rolle”

Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: „Ich bin zu jung“, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.

Jeremia 1,4−8 (Hier vorgelesen von Helge Heynold)

 

Liebe Mitspielende,

mögen Sie große Herausforderungen? Oder nehmen Sie sich lieber Ziele vor, von denen Sie sicher sind, dass Sie sie bestimmt erreichen können? Gehören Sie zu denen, die gleich „Hier!“ rufen, wenn eine wichtige Aufgabe verteilt wird? Oder können Sie es nicht fassen, wenn Ihnen jemand etwas Großes zutraut? Im Moment wird von uns allen sehr Großes verlangt, und wir können uns nicht aussuchen, ob wir uns den zusätzlichen Aufgaben stellen wollen oder nicht. Corona regiert noch, und unsere gemeinsame große Aufgabe ist noch längst nicht geschafft. Die Pandemie fragt niemanden von uns, ob wir uns der zusätzlichen Herausforderungen und Belastungen gewachsen fühlen.

In dieser Hinsicht ähnelt COVID-19 Gott. Auch Gott fragt uns nicht, ob wir dem Leben wohl gewachsen sind. Er lässt uns einfach geboren werden. Gott fragt nicht, ob wir unser Leben lieber auf „Anfängerlevel“ spielen möchten oder im „Profimodus“. Das musste auch Jeremia erfahren. Im siebten Jahrhundert vor Christus, in einer Zeit relativer Ruhe und Stabilität im Lande Juda, „geschieht“ das Wort Gottes zu ihm. Jeremia stammt aus einem Priestergeschlecht. Für ihn ist Gott sicherlich kein Fremder, aber dass Gottes Wort direkt zu jemandem geschieht, lässt Großes ahnen. Und tatsächlich stellt Gott ihn gleich vor vollendete Tatsachen: Ich kenne dich länger als deine Mutter, und ich habe es längst entschieden: Du bist ein Prophet. Jeremias Entgegnung wirkt seltsam hilflos: „Ich tauge nicht zu predigen, ich bin zu jung,“ sagt er.

Was er wohl damit meint? Dass er noch Zeit braucht? Oder dass es ihm an Weisheit mangelt? An Erfahrung? Wer nun erwartet, dass Gott dem armen Jeremia Mut macht, indem er ihn daran erinnert, was er doch schon alles könne, irrt sich. Kein „Ach, komm, stell mal dein Licht nicht unter den Scheffel! Du kannst mehr, als du dir selbst zutraust!“ Nicht mal ein „Du schaffst das schon!“ bekommt Jeremia von Gott zu hören. Stattdessen: „Tu, was ich dir sage!“

Ist Gott also schlicht autoritär? Interessiert sich Gott nicht dafür, was wir können? So einfach ist es nun auch wieder nicht. In dem, was Gott Jeremia dann sagt, stecken gleich zwei Versprechen. Zunächst: „Du sollst predigen, was ich dir sage.“ Mit anderen Worten: „Es kommt nicht auf deine Fähigkeit zu predigen an. Du kannst dich darauf verlassen, dass du meine Worte sagen wirst.“ Und dann: „Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten.“ Gott weiß sehr wohl, was er Jeremia gerade aufgebürdet hat. Jeremia wird als Prophet Gottes mit vielen mächtigen Leuten in Konflikt geraten. Jeremia wird in Gefahr geraten, aber in der wird er Gott an seiner Seite haben.

Letztlich finde ich diese Aussage Gottes viel hilfreicher, als wenn er Jeremia an dessen Stärken erinnern würde. Denn dann müsste Jeremia immer nur auf sich selbst vertrauen. Er müsste sich immer selbst retten und sich auch noch selbst Vorwürfe machen, wenn er es nicht schafft. So aber handelt Gott eher wie ein guter Trainer, der beim Aufschwung am Reck sagt: „Ich sage dir, wie du es machen musst, damit es klappt. Du musst es selbst schaffen, aber eines verspreche ich dir: Ich bin da und passe auf, dass du nicht herunterfällst.“

Mögen Sie Herausforderungen, die Sie sich selbst aussuchen dürfen? Dann habe ich die Wochenaufgabe für Sie: Machen Sie mindestens einmal ganz bewusst etwas, für das Sie eigentlich entweder zu jung sind oder zu alt! Wenn Sie sich „im Grunde für nichts zu alt“ fühlen, fragen Sie einen Teenager, was man nach dessen Meinung in Ihrem Alter nicht tun sollte. Und dann tun Sie es. Ebenso, wenn Sie meinen, dass Sie bereits alt genug für alles sind, fragen Sie jemanden, der in einem Pflegeheim lebt. Muss ich es erwähnen? Besser ist besser: Tun Sie nichts, das generell oder in Ihrem Alter gesetzlich verboten ist!

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei dieser Aufgabe und eine gesegnete Woche!

Ihr Frank Muchlinsky

 

Frank Muchlinsky ist Pastor der Nordkirche. Er hat viele Jahre in der Erwachsenenbildung und in der Diakonie gearbeitet. Sein Schwerpunkt liegt darauf, Glaube und Theologie erfahrbar und verständlich zu machen. Seit 2012 arbeitet er bei evangelisch.de.

Fastenmail: Woche 1 „Alles auf Anfang”

Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war … Als Gott dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, da war ich beständig bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

Sprüche 8,23.29–31 (Hier vorgelesen von Helge Heynold)

 

Liebe Verzichtsprofis,

 

herzlich willkommen zur neuen Staffel von „7 Wochen Ohne“! Letztes Jahr war es noch Zufall, dass das Motto „Zuversicht“ so ausgesprochen gut zur ausbrechenden Pandemie passte. Diesmal ist das Motto Absicht. Mitten in der weltweiten Blockade wollen wir schauen, an welchen Stellen wir auf kleinere Blockaden verzichten können. Es geht darum, den Spielraum zu entdecken, die kleine Lücke, die Bewegung zulässt. Außerdem können wir uns sieben Wochen lang Strategien überlegen, wie wir ein paar kleine Blockaden auflösen oder wegräumen können.

 

Bei unserem spielerischen Blockadefasten begleiten uns bis Ostern wieder Bibeltexte, die auch die einzelnen Wochenthemen vorgeben. Das Thema lautet diesmal: „Alles auf Anfang“, weil die Bibelstelle für diese Woche am Anfang aller Zeit spielt, in der Zeit, als die Welt erschaffen wurde. Es spricht in diesem Text die Weisheit höchst persönlich. Sie ist sozusagen die Hauptdarstellerin im Buch der Sprüche. Frau Weisheit erzählt von sich, von ihren Bemühungen, die Menschen zur Vernunft zu bringen. Ihre Partnerin ist die Klugheit, ihre Gegenspielerin die Torheit. Die Weisheit mahnt immer wieder, das Richtige zu tun, während die Torheit gern mal beide Augen zudrückt.

 

Wer nun aber meint, die Weisheit wäre unattraktiv, langweilig und verkniffen, weil sie ständig den Zeigefinger hebt, irrt sich. Sie kommt verführerisch daher. Sie kocht, tischt auf, lädt ein, schenkt Wein aus. Gern spricht sie von ihrem Mund und ihren Lippen. Sie vergleicht sich mit Perlen, Gold und Silber. Ohne Frau Weisheit können Könige nicht regieren, wer sie findet, findet das Leben.

 

Frau Weisheit war schon da, als Gott aus Chaos ein bewohnbares Universum machte. Als Gott Grenzen setzte, war sie dabei, sagt unser Text für diese Woche. Schöpfung ist nach biblischem Verständnis vor allem ein Akt des Ordnens und Begrenzens. Gott setzt dem Chaos seine Grenzen, damit Leben entstehen kann, wo das Chaos gebannt ist. Erst wenn das Wasser nicht mehr alles überfluten kann, wenn die Erde steht und die Zeit gleichmäßig verläuft, kann Leben gedeihen. Und während Gott all das ordnet, ist die Weisheit bei ihm, sie „spielt“ vor ihm und an allen Enden der Erde. Sie spielt und hat Freude an den Menschen, wie sie selbst Gottes Freude ist.

 

Ich mag dieses Bild einer verspielten Weisheit, die Gott zur Seite steht, während er die Welt ordnet. Wenn die Weisheit auf dem Erdkreis spielt, dann – so stelle ich es mir vor – bleibt die Welt beweglich. Einerseits gelten die Gesetze, die Gott seiner Schöpfung gibt. Naturgesetze, klare Grenzen und Regeln. Andererseits war da eben Weisheit im Spiel. Die Welt wird nicht starr, sondern sie bleibt in Bewegung.

 

Diese Vorstellung einer Welt, die in Grenzen beweglich bleibt, kann in der gegenwärtigen Situation helfen. Die Regeln, die uns gerade so einschränken, sind ebenfalls dazu da, das Chaos zu bannen. Sie machen das Leben innerhalb unserer Grenzen möglich, und darum sind sie weise, auch wenn sie nicht von Gott oder Frau Weisheit persönlich stammen. Man kann prächtig darüber diskutieren, welche Maßnahmen die besten sind, die Pandemie zu bekämpfen, aber schon die Diskussion darüber sollte uns deutlich machen, dass wir noch Spielraum haben. Innerhalb unserer Grenzen kann die Weisheit spielen und schauen, was noch möglich ist. Und daran können und dürfen wir Lust empfinden, wie die Weisheit selbst. Die erste Blockade, die wir fasten sollten, ist darum die in unseren Köpfen und Herzen, die uns einreden will, dass ohnehin nichts mehr geht. Wer nach Spielraum sucht, wird ihn auch finden.

 

Ich gebe Ihnen wieder – oder weiterhin, wenn Sie meine Briefe seit einem Jahr lesen – eine wöchentliche Aufgabe auf. Bitte verstehen Sie diese Aufgabe als Anregung! Sollten Sie sich nicht in der Lage sehen, die jeweilige Wochenaufgabe zu erfüllen, dann wird das seine Gründe haben. Also, Wochenaufgabe eins: Spielen Sie in dieser Woche mindestens einmal ein Spiel! Spielen Sie am besten zusammen mit jemand anderem, aber wenn das nicht möglich ist, spielen Sie eine Patience. Nehmen Sie sich die Zeit! Ich persönlich schlage Malefiz vor, denn das ist der erste Treffer, wenn man „Spiel“ und „Blockade“ googelt. Ich wünsche Ihnen Weisheit mit Spaß!

 

Ihr Frank Muchlinsky


 

Trostbriefe von Markus Rückert

Hier finden Sie in loser Folge "Trostbriefe" von Pastor Markus Rückert.

 

Brief 1

Brief 2

Brief 3

 

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