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Sa, 29.02.2020Bischof auf dem Wangerland-Sofa

Bruder Franziskus (links) und Bischof Thomas Adomeit auf dem roten Sofa

Die dritte Veranstaltung der Reihe „Wangerland-Sofa“ an diesem Donnerstag hatte trotz des beklemmenden Themas der schwierigen Seenotrettung von Flüchtlingen und Migranten aus dem Mittelmeer einen großen Moment der Freude dank „Seawatch 4“.

 Wie Moderator Bruder Franziskus vom Rogate-Kloster und sein Gast, der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit, vom roten Sofa aus den zahlreichen Besuchern verkünden konnten, war das neue Rettungsschiff an diesem Tag in Kiel getauft und in Dienst gestellt worden. Der Kauf des früheren Forschungsschiff „Poseidon“ wurde von der evangelischen Kirche initiiert und es soll ab April für den Grundsatz einstehen: „Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“

 Das Aktionsbündnis „United4Rescue“ entstand 2019 auf dem Kirchentag und die Oldenburgische Landeskirche gehörte wie der Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven zu den Ersten, die sich dafür engagierten. Mit den besten Gründen, wie Adomeit im Gespräch mit Bruder Franziskus erläuterte. Angesichts tausender Menschen, die alljährlich bei dem Versuch umkommen, das Mittelmeer auf dem Weg nach Europa zu überwinden, sei es menschenverachtend, über Seenotrettung auch nur zu diskutieren, denn die sei ein Menschenrecht.

 Und wer das auch finanzielle Engagement der Kirche für dieses Projekt anzweifle, solle sich einmal fragen: „Wie müsste es Ihnen gehen, bevor Sie von hier in die Fremde flüchten?!“ Außerdem gebe es eine Mitverantwortung, wenn es den Menschen in Afrika wegen des Klimawandels schlecht gehe oder sie beim Rohstoffabbau zugunsten unseres Wohlergehens ausgebeutet werden.

 Bei den Einsätzen der Seawatch 4“ rechnet Adomeit übrigens durchaus mit Festsetzungen in Malta oder Italien. Sanktionen aber kann er sich nicht vorstellen, denn das würde zu einem Politikum bei einem Schiff der Kirche, das nicht anderes will als Leben retten.

 Wie schwerwiegend die Fluchtgründe ins Ungewisse sind, beschrieb auch Heike Grünefeld, die beim Diakonischen Werk in der Migrationsverwaltung mitarbeitet. Da höre man unglaubliche Leidensgeschichten bei diesen Menschen, die unter Heimweh, Verlusten und Angst um die Zurückgelassenen leiden. Die Integration hier in der Fremde werde durch Intoleranz belastet, dabei wäre nichts wichtiger als „Freundschaften auf Augenhöhe“.

 Und es gab Zeugen für echte Fluchtgründe und was der Weg ins Ungewisse bedeutet. Dazu hatte Bruder Franziskus Saha und Mohammed aus Syrien um ein Interview gebeten. Die Gymnasiallehrerin aus Dara war von Beginn an mitten in den kriegerischen Auseinandersetzungen, denn in der Grenzstadt zu Jordanien brach der Bürgerkrieg 2011 aus. Als täglich rundherum geschossen und Bomben geworfen wurden, floh sie aus Angst ums nackte Leben mit ihren drei kleinen Kindern ins Nachbarland.

 Was sie aufgeben musste: Haus, Arbeit, Freunde und das Gefühl der Sicherheit. Seit 2015 im sicheren Deutschland, wollen ihre Kinder nichts von Syrien hören, denn diese Erinnerungen handeln alle vom Krieg. Und ähnlich beschwerlich war auch die Flucht Mohammeds. Schon 2012 musste der Bäcker aus politischen Gründen in den Libanon flüchten. Nachdem er dort Kritisches in einem Fernsehinterview geäußert hatte, geriet er in Konflikt mit der Assad-freundlichen Hisbollah-Miliz und floh mit seiner Familie über die Türkei nach Europa.

 Beide habe Boote kentern und Menschen ertrinken gesehen, schlimme Strapazen und skrupellose Schlepper unterwegs erlebt. Froh sind die einst ganz normalen Bürger Syriens über die Sicherheit hier, doch geblieben ist die Hoffnung auf eine Rückkehr, zunächst jedoch erst einmal der Wunsch, in dem fremden aber sicheren Hafen arbeiten zu dürfen.

 


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Trostbriefe von Markus Rückert

Hier finden Sie in loser Folge "Trostbriefe" von Pastor Markus Rückert.

 

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